Donnerstag, 11. Juni 2009

Große Ohren Große Mäuler


Alle haben davon gehört.

Jeder hat eine Ahnung, hat ein Fünkchen davon aufgeschnappt.

Die Stadt als Expertenrunde, jetzt stehste allein da!


Die Verhandlung ist eröffnet.

Sie wissen es,

wissen alles.

Und das, meine Damen, meine Herren ist nichts als die

Unwahrheit.

Wir hatten ja zweihunderttausend Jahre Zeit, um unsere Klugheit zu schaffen.

Jahrtausende, aus denen wir alles rausgeholt haben; die wir genutzt haben um

Klugscheißerei und Besserwissertum zu perfektionieren.


Es scheint seltsam, doch in diesen Momenten,

in denen Heucheleien und Intrigen ihr hässlichen Visagen

so demonstrativ in die Kamera knallen, kann nur die

Liebe zur Gleichgültigkeit so stark werden.

Die Bewunderung für die akzeptierte Bedeutungslosigkeit wächst

ins Unermessliche,

die Vision von Einsamkeit

als Quelle des inneren Friedens

lächelt einladend.


Das ist der Dorn, den sich die Gesellschaft immer wieder

in ihre eigene Löwentatze bohrt.

Ohne Grund und dennoch

wieder und wieder und wieder und wieder und wieder.

Weniger denn je bin ich in dieser Sekunde das Zoon Politikon,

weniger denn je leuchtet mir High Society ein,

weniger denn je kann ich einen Sinn in Religion oder Soziologie oder

Moral an sich erkennen.


Das Messer, dass ich

mir selbst in den Rücken gestoßen habe,

entfacht einen nicht zu leugnenden Schmerz,

der an jeder Ethik nagt,

jedes Gefühl von Sicherheit und kommunalem Glück zerschlitz,

bis nur ein fragiles Gerüst zurückbleibt,

das die Wahrheit nur noch lächerlich schwach zu trüben vermag.


Dies alles ist nicht von Bedeutung.

Seltsam, dass diese Erkenntnis erst jetzt ganz klar wird,

wo sie doch so einfach, so absolut makellos simpel ist.


Egoismus gestattet mir selbst zu entscheiden; die Rollen selbst zu verteilen.


Die Illusion der Gemeinschaft


- euer Betragen ohrfeigt dieses Wort

und beschmutzt seine Bedeutung in ihrer Ursprünglichkeit.

Ihr habt jedes Ideal von Gesellschaft aufs schändlichste verraten,

ebenso oft wie ich es tue -

hindert euch daran zu erkennen,

welch fatalem Irrtum ihr nachdackelt.

Blind für euch selbst und damit blind für mich und jeden.


Und Blinde, die sich sicher sind

zu sehen,

sind eine entsetzliche Zumutung und

allgegenwärtige Gefahr.


Doch wenn ich mich wende und gehe,

erlischt jeder Sinn in dieser Geschichte, wie

Farben ohne Licht.

Und dies

ist die letzte und größte aller Befriedigungen, zu der mir eure

dröhnenden Abartigkeiten verhelfen.

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