Sonntag, 28. Juni 2009
Geldschrankspinne
schon ist eine Spinne hineingekrochen
und hat sich ein Trichternetz gebaut.
Jedes mal, wenn ich nun in den Geldschrank greife,
durch das Netz aus gesponnener Seide;
spüre ich das pulsieren ihres fetten Wanstes
und das Knacken ihrer Gliederbeine
und ich warte auf den Augenblick, da
meine Faust die Scheine fest umschließt,
während ich den Schmerz ihrer zu-
packenden Mandibeln spüre.
Donnerstag, 11. Juni 2009
Geschichte in der ich unglaublich cool wirke
Letztens kam ich auf einer Party in die Küche und traf dort auf drei Homos, die sich an der Spüle unterhielten. Sie tranken Bier aus Flaschen und auf den ersten Blick empfand ich zwei von ihnen als attraktiv.
Da war einer mit dunklem kurzen Haar, einer mit noch dunklerem Haar- kurz - und einer mit einem vielfarbigen Frisuren-Irgendwas, welches das bizarre Schandmahl darunter, das sein Gesicht darstellte, wie die halbrasierte Möse einer Vierundsechzigjährigen mit fortgeschrittenem Tripper in Szene setzte.
Ich zündete mir eine Kippe an, um abgeklärt zu wirken und lehnte mich in einiger Entfernung zu der Gruppe ans Fensterbrett.
Nach den ersten vier Zügen war mir ziemlich übel, aber ich sah durch das Fenster in den dunklen Garten hinaus und hörte mit einem Ohr den Dreien neben mir zu.
Ich kam mir bescheuert vor. Der Abend war beschissen.
„Miriam ist ziemlich geil!“, sagte der sehr Dunkelhaarige – ich nannte ihn für mich Fabrizio, weil er irgendwie italienisch aussah.
„Ich hab gehört sie hat so einiges drauf! – Mann, ich würd’ ihr gern mal auf die Titten spritzen!“
Die anderen beiden lachten, wobei sie ihre Oberlippen in einem Bogen über die Zähne zurückzogen.
In mir regte sich ein seltsamer Anflug von Entnervung und Erregtheit.
Der etwas weniger dunkelhaarige – Mike, weil er aussah wie in amerikanischer Highschool-Football-Star – nippte an seiner Flasche und sah etwas abwesend auf die Uhr über dem Herd.
„Ich weiß was du meinst, Mann! Muss mich seit zwei Monaten mit meiner linken Hand zufrieden geben... So langsam würd’ ich fast alles ficken!“
Ich drückte die halbgerauchte Kippe an der Wand aus und warf sie in einen Blumentopf, während Fabrizio Mike einen Zierkürbis vom Küchentisch reichte.
„Hier: kannst n Loch reinbohr’n, dann hast was zum reinlunzen, du Stecher!“
Lachen.
Ich stellte mir vor wie Mike mit dem Gemüse zu werke gehen würde, während ich zum Kühlschrank schlappte und mir Gin Tonic mischte.
„Fick dich!“ Mike warf den Kürbis grinsend in die Spüle.
„Wenigstens sieht meine Mutter nicht aus wie das rechte Ohr von Niki Lauda!“
Ich verschluckte mich.
Das Gonorrhoe-Gesicht meldete sich jetzt zum ersten Mal zu Wort und rundete das Gespräch mit dem Satz: „Ihr seid solche Spasten!“ gelungen ab.
Ich lehnte mich zurück ans Fensterbrett, trank und verfolgte weiter das Gespräch, ohne dass die Drei etwas davon bemerkt hätten.
Nach einer Diskussion über ein Fitnessstudio, dass mir nichts sagte und irgendeine Kindergärtnerin, mit der Fabrizio was am laufen hatte, war ich vier Mal zum Kühlschrank und wieder zurück auf mein Fensterbrett gewandert und hörte mir nun sehr interessiert drei Meinungen über die Ideale Tittengrifffestigkeit an.
Mike mochte sie gerne prall und fest, während Fabrizio und die Hackfresse sich einig waren dass sie schön weich und saftig sein mussten damit man sie richtig durchkneten konnte.
„Verstehst? So richtige Euter eben!“
Ich trank den letzten Schluck aus meinem Glas.
Mit ungewohnter Bestimmtheit drückte ich es auf den kalten Marmor und gesellte mich zu der Dreierrunde.
„Entschuldigung...“, sagte ich.
Sie sahen mich an.
„...aber, warum um alles in der Welt brabbelt ihr Schwuchteln euch hier irgendwas von Titten vor?“
Sie starrten mich an.
Ich versuchte zurückzustarren, aber mein Fokus war ziemlich im Eimer.
Sie schienen die Situation nicht ganz zu durchschauen, deswegen hielt ich es für angebracht es ihnen zu verdeutlichen.
Ich wog eine Sekunde meine Möglichkeiten ab, dann ging ich auf Fabrizio zu, griff ihm in den Schritt, fühlte Eier und Schwanz, und küsste ihn fest und lange.
Sein Dreitagebart kratzte meine Oberlippe, was ziemlich geil war.
Ich löste mich, trat einige Schritte zurück und betrachtete mein Werk.
Sie starrten immer noch.
Irritiert zündete ich mir eine weiter Kippe an und wartete auf eine Reaktion.
Sofort begann der Raum sich schneller zu drehen.
„Scheiße!“ rief ich. „Was ist denn mit euch los, verdammt?“
Fabrizio machte einen Schritt nach vorne und schlug mir mit der Faust mitten ins Gesicht.
Die Wucht des Schlages warf mich nach hinten, aber während ich rücklings gegen einen weiß lackierten Holzschrank prallte war ich mir ziemlich sicher, dass meine Nase nicht gebrochen war, was ich als durchaus positiv wertete.
Etwas benommen versuchte ich mich wieder gerade hinzustellen.
Es gelang mir erstaunlich gut.
Er kam auf mich zu.
„Ich küsse nicht beim ersten Date, verstanden?“ Sein zorniger Blick machte ihn umso attraktiver.
In meinem Mund sammelte sich etwas Blut, das aus meiner aufgeplatzten Lippe sickerte.
In dem Moment tat es mir ehrlich leid, dass ich gegen Fabrizios Prinzipien verstoßen hatte und ich fühlte das starke Bedürfnis mich zu entschuldigen.
Im Nachhinein denke ich manchmal, ich hätte ihm vielleicht eine Blume schenken sollen;
unter.wasser
Der Ozean in dem ich treibe
Ist weit und still.
Unter den Wellen liegt
Ein seltsamer Raum,
Oben noch klar blau wie
Gletscherschatten,
Fällt es in eine Dunkelheit, nein,
Intensiviert sich bis zu einer
Eigentümlichen Schwärze.
Aber hier, wo ich treibe
Gibt es nichts zu fürchten, denn
Es ist ein ewiger Tank
Mit Wänden aus Glas
Und kein anderes Wesen scheint darin
Als ich.
Das Blau ist durchdrungen von
Winzigen, schimmernden Partikeln,
Die in der sprachlosen Weite treiben.
Perlmutt in Azur
In Kornblume
In Mitternacht
In Stahl
In Royal
In Türkis
In Saphir
Rast und Befriedigung
Schwappen ineinander,
Diffundieren zu einer
Wabernden arktischen Milch.
Schwerelose Lust.
Kobaltschlieren um mich.
Cyanexplosion verspritzt
Enzianvesikel.
Zwölf Fische winken der
Einsamkeit zum Abschied.
Nylonfische -
Neongräten
Alukiemen
Folienschuppen
Plasmaaugen
Und tausend
Plexiglasquallen -
Polyethylententakel
Teflonnesseln
Silicongallerte
Und Panzerglasschildkröten
Kevlarseesterne
Edelstahlgarnelen
Cerankalmare
Sprudeln aus der Finsternis;
Widerspiegelnde Schlafwandler
In einem brodelnden Tanz.
Blau durchdringt sie,
Intensiviert sich an ihnen,
Spiegelt von ihren makellosen
Ekelerregend sterilen
Leibern.
In einem wirbelnden Reigen
Verdichten sie die See um mich
Zu einem Strudel,
Liquider Kokon,
Haardünne Luftblase.
Und sinken dann,
Wie glänzende Kiesel
Zurück auf den Grund
Zurück zu toten Toastern
Und Skeletten von Fernsehern und Föhns
Das Wasser um mich
Vibriert und rauscht.
Mit geschlossenen Augen
Verpfände ich die Ruhe
Für ein Bad in diesen Klängen.
Glockenhell
Und mächtig wie
Ein goldener Gong
Schillernder Ton in den Fluten.
Orgiastische Welle aus Schall.
Milliarden Blasen streichen
Meine Haut, drängen
Sich in den Mund, reiben
Sich an Lippen und Zunge.
Und quellende Hände,
Geysirische Finger kosen
Die Bahnen des Rückens.
Leichtfertig will ich
In diesem Becken
Eine Erinnerung
Ich wünschte du könntest es sehen.
Wie wir rannten, davonliefen, strauchelten und stolperten.
Der karge Boden riss die Haut unserer blanken Füße auf,
Staub drang in die Wunden und verklumpte zu blutigem Matsch.
Dornen und schmutzige Glasscherben stießen tief in unser Fleisch,
doch wir flohen weiter.
Der brennende Abend machte uns zu Silhouetten.
Wie Figuren in einem chinesischen Schattentheater
tanzten wir den hektischen Tanz der Verfolgten
durch die schwarzen Skelettwälder der Welt.
Schneidet eure Ohren ab, wenn ihr nicht hören wollt!
Was sind sie sonst mehr als Fleischsegel,
die nutzlos im Wind flattern,
der durch eure Köpfe zieht?
Wir zeigten ihnen die Welt
mit einem gramvollen Seufzer.
Stecht eure Augen aus, wenn ihr euch weigert zu sehen!
Was sind sie sonst mehr als Gallertballons
in euren morschen Schädeln?
Wir klagten ihnen von Barbarei
und Bestien in Sakko und Schlips.
Und drückten ihre Gesichter gegen die flimmernden Bildschirme,
die väterlich grinsende Dämonenmäuler in die Welt hinausstrahlten.
Doch sie wanden ihre Köpfe ab
auf ein Haus mit Kind.
Das Entsetzen traf uns unerwartet,
schnallte uns fest auf eine Knochenpritsche
und träufelte uns tröpfchenweise
Enttäuschung in die Gurgeln.
„Seid ihr so erstarrt? Steckt ihr so tief drin?
Könnt ihr das glauben?
Seht ihr nicht, dass ihr euch mehr schuldet?“
Blicke huschten über Seiten voller Information.
Ein-sau-gen.
Das Hirn muss voll sein, muss gut gemästet sein.
Es geht nicht um Erkenntnis,
es geht um Masse und wörtliche Wiedergabe.
So ist’s fein.
Ich wünschte, wünschte du könntest es sehen.
Wir nahmen uns bei der Hand.
Und rauf auf den Hügel.
Lorbeersträucher, Salbei, und Zypressen.
Ginster und Oleander zu unseren Seiten,
Olivenbäume unten im Tal.
Dort oben!
Ein Haus drängt sich in den Weinberg.
Das knorrige Großmütterchen lieh uns eine
Kurzwellenrundfunkstation.
Durch ein modriges, versabbertes Mikrophon
flüsterten wir es in alle Ecken der Welt.
Bis nach Sibirien und Feuerland.
Schon erhob sich ein unschuldiges Pfeifen
über dem Globus.
Beißt eure Lippen ab, wenn ihr euch weigert Wahrheit zu sprechen!
Was sind sie sonst mehr als Blutschläuche,
die wabblig tatternd Gestotter
und Unsinn verbreiten.
Zu Füßen der maritimen Sonne
glitten wir auf Zephyrswogen
in Unbekannte Breiten.
Immer auf der Flucht.
Und immer auf der Fährte.
Rum um die Ecke.
rüber über den Fluss,
runter unter den Stein
und rein,
rein in die weite Stadt.
Hand in Hand kritzelten wir
mit ausgetrockneten Kugelschreibern
Nachrichten auf den Beton
und kratzten kritische Kommentare
in den aalglatten Gehsteig.
Und dann
die Sirenen.
Und Chaos.
Und Wirbel.
Und Versagen.
Und das leuchten der Sonnenstrahlen,
das mir durch die schimmernden Löcher in deiner Brust
entgegenschien.
Schweigen.
Und nun...
Ich wünschte, mehr als alles; mehr als Frieden, mehr als Leben,
Dass du es sehen könntest.
Ein brennendes Feld
Asche auf Asche auf Knochen auf Dreck.
Salzkrusten und Schwefelkrater
Und über allem
ein blauer weiter Himmel
Große Ohren Große Mäuler
Alle haben davon gehört.
Jeder hat eine Ahnung, hat ein Fünkchen davon aufgeschnappt.
Die Stadt als Expertenrunde, jetzt stehste allein da!
Die Verhandlung ist eröffnet.
Sie wissen es,
wissen alles.
Und das, meine Damen, meine Herren ist nichts als die
Unwahrheit.
Wir hatten ja zweihunderttausend Jahre Zeit, um unsere Klugheit zu schaffen.
Jahrtausende, aus denen wir alles rausgeholt haben; die wir genutzt haben um
Klugscheißerei und Besserwissertum zu perfektionieren.
Es scheint seltsam, doch in diesen Momenten,
in denen Heucheleien und Intrigen ihr hässlichen Visagen
so demonstrativ in die Kamera knallen, kann nur die
Liebe zur Gleichgültigkeit so stark werden.
Die Bewunderung für die akzeptierte Bedeutungslosigkeit wächst
ins Unermessliche,
die Vision von Einsamkeit
als Quelle des inneren Friedens
lächelt einladend.
Das ist der Dorn, den sich die Gesellschaft immer wieder
in ihre eigene Löwentatze bohrt.
Ohne Grund und dennoch
wieder und wieder und wieder und wieder und wieder.
Weniger denn je bin ich in dieser Sekunde das Zoon Politikon,
weniger denn je leuchtet mir High Society ein,
weniger denn je kann ich einen Sinn in Religion oder Soziologie oder
Moral an sich erkennen.
Das Messer, dass ich
mir selbst in den Rücken gestoßen habe,
entfacht einen nicht zu leugnenden Schmerz,
der an jeder Ethik nagt,
jedes Gefühl von Sicherheit und kommunalem Glück zerschlitz,
bis nur ein fragiles Gerüst zurückbleibt,
das die Wahrheit nur noch lächerlich schwach zu trüben vermag.
Dies alles ist nicht von Bedeutung.
Seltsam, dass diese Erkenntnis erst jetzt ganz klar wird,
wo sie doch so einfach, so absolut makellos simpel ist.
Egoismus gestattet mir selbst zu entscheiden; die Rollen selbst zu verteilen.
Die Illusion der Gemeinschaft
- euer Betragen ohrfeigt dieses Wort
und beschmutzt seine Bedeutung in ihrer Ursprünglichkeit.
Ihr habt jedes Ideal von Gesellschaft aufs schändlichste verraten,
ebenso oft wie ich es tue -
hindert euch daran zu erkennen,
welch fatalem Irrtum ihr nachdackelt.
Blind für euch selbst und damit blind für mich und jeden.
Und Blinde, die sich sicher sind
zu sehen,
sind eine entsetzliche Zumutung und
allgegenwärtige Gefahr.
Doch wenn ich mich wende und gehe,
erlischt jeder Sinn in dieser Geschichte, wie
Farben ohne Licht.
Und dies
ist die letzte und größte aller Befriedigungen, zu der mir eure
Summen der Euphorie
Dies ist für dich, Hemmungslosigkeit!
Für die unverschämten Gemüter, die nackt über Gras, Moos und Rinde tanzen!
Für die sorglosen Kinder, die ihre tiefen Geheimnisse in die Nacht brüllen!
Für die zügellosen Getriebenen, die wild masturbierend den Kopf in den Nacken werfen
und ein Ja an alles hervorstoßen!
Für die aufständischen Leckschwestern und Schwuchteln, die sich in tiefem Gefühl
vor den erschrockenen Augen der Weltoffenen
die Zungen in den Rachen schieben, sowie
Für die durchschnittlichen Jungs und Mädels die es tun, oh ja!
Für die euphorischen Fußgänger - lauthals singende Wegbeschreiter!
Für die anachronistischen Senioren die sich jubelnd und kreischend
im Sandkasten vergnügen fangen spielen
und der Zeit Grimassen schneiden!
Für die freimütigen Beats Hippies Hustler Hipster,
die vollgepumpt sind mit Gras, LSD, und Benzedrin,
und die zu Flöten und Glockenspiel Kröten lecken,
während die Sonne über den Hügeln aufgeht.
Hemmungslosigkeit!
Für all die Besoffenen, die gröhlend die Städte unsicher machen,
die unbesonnen in ihre eigenen Hosen pissen, oder
an jede Hauswand, die ihnen in den Weg kommt;
die unverhohlen die Wahrheit sagen, nicht als die Wahrheit, die Wahrheit, die Wahrheit,
die Wahrheit!
Und sich stöhnend und ächzend auf Bänken und Böden räkeln!
Die lauthals in den Wind rülpsen
und zuletzt aus vollen Hälsen die Gehsteige vollspeien!
Für euch, die ihr mit rollenden Augen, unter brennenden Blicken zur Musik zittert
und wiegt und schwingt
und so den Starren den Finger zeigt!
Für Irre, die sich Kaugummi um die Köpfe wickeln,
Fünfziger auf die Brust tackern
und in Feinstrumpfhosen vor den Toren des Weißen Hauses
im Schnee sitzend We Shall Overcome zum Besten geben!
Für Neuzeit-Abenteurer, die all ihr erspartes für ein Schiff ausgeben
und als moderne Piraten Yachten überfallen,
um den Passagieren an Bord die Boxershorts in die Ritze zu ziehen und ihnen die Wangen
abzulecken!
Für euch, die ihr euch überall und auf jede nur erdenkliche Weise fickt, ihr Menschen!
Für Nacktbader –Radler –Jogger –Putzer –Tänzer und -Springer!
Für Künstler, die Visionen von Handschuhen aus quecksilbernen Kokosnüssen und
37 verschämten Geflügelscheren,
von Haarwolken, Glück und keiner Dimension
eine Form geben!
Für Regierende, die sich ungeduscht in die Öffentlichkeit begeben
und auf dem Marktplatz Erdbeereis mixen,
um es sich dann von den schmutzigen Händen zu lecken!
Für alle die nicht Schweigen, nein,
ungeniert Ungerechtigkeit verunglimpfen!
Hemmungslosigkeit!
Für Optimisten, die inbrünstig den Nihilismus mit Hedonismus löschen, und ebenso
Für Pessimisten, die grimmig zynisch trockenen Humor in den Alltag streuen
und bittere Ironie!
Für Verärgerte, die in Kingston, Jamaika
öffentlich eine Ku-Klux-Klan-Versammlung ankündigen,
um die Reaktionen abzuwarten,
während drüben am Strand, unter der karibischen Sonne ein paar
gesteinigte Homos von Möwen verzehrt werden!
Für Spaßvögel, die während des Gottesdienstes aufspringen und
hör mal her
den Pfarrer einen scheißefressenden knabenschändenden Eselvergewaltiger heißen!
Für alle, die Wladimir Putin mit Hitlerbart und Strapse zeichnen und darüber
in wahnsinniges Kichern ausbrechen, überhaupt
Für alle, die lauthals die Kellertreppe hinunterlachen!
Für einen Autor, der die Geschichte eines blinden Triebtäters niederschreibt, welcher zwar keinen Geschmackssinn mehr besitzt, dafür aber selbst das leiseste Geräusch wahrnimmt, womit er seine Opfer sehr effizient erbeutet und der links am Hals ein Muttermal in der Form von Kolumbien besitzt, was ihm letztendlich zum Verhängnis wird, als ihn eine junge Stewardess, die er in der Geisterbahn eines Rummelplatzes vergewaltigte anzeigt und er daraufhin von einem türkischen Tanzlehrer, der sich als Italiener ausgibt, erkannt und gemeldet wird, was schlussendlich zu einer schmachvollen Verhaftung in einer Sauna führt, und der nun im Rückblick seine Geschichte einer greisen Gefängnisseelsorgerin diktiert und trotz der Tatsache, dass er diese einen Tag nach seiner Freilassung, in ihrer hübsch eingerichteten Dreizimmer-Wohnung, in der sie alleine lebt, weil ihr Mann mit allen Ersparnissen und einem brasilianischen Stricher im Gepäck nach Denver ausgewandert ist, missbraucht und seine Geschichte mit den Worten Ich bereue nichts beendet,
eigentlich ganz sympathisch rüberkommt!
Hemmungslosigkeit!
Für dich, Hector Kipling, der du uns deine Sehnsucht nach mehr
Tod in deinem Leben
ins Gesicht kreischst!
Für all die Anonymen, die auf öffentlichen Toiletten neben die Klos pissen und die Wände beschmieren,
mit ihren Weisheiten und Vulgaritäten!
Für dich, Amanda Palmer, die du so unvergleichlich die Klaviertasten anschlägst!
Für den Himmel, der vor deinen und meinen Augen blank zieht
und seine Sterne entblößt,
obwohl er vielleicht im Schutz der Nacht erröten mag!
Oh Hemmungslosigkeit!
Für das Herz, das dynamischste Organ, das sich ohne nachzudenken verschenkt!
Purpurne Fontänen vergießt!
Das nach Jasmin riecht und Orangen,
nach Meer, nach Gras, nach Benzin und nach Schnee!
Das mich vielleicht überlebt,
das Geschlecht bedient
und die Augen nie ganz verschließen kann
weil alle Wahrheit in seinen Kammern schlägt!
Die Treppe hinunter
Die Treppe hinunter.
Die Treppe hinunter.
Immer und immer wieder.
Vorbei an der großen Tränke, der Rauschmanufaktur
Vorbei an den Scheuen, die sich Verstecken,
Hinter geschlossenen Jalousien, ihre Untätigkeit zu verbergen.
Weiter.
Über den Platz,
Wo grelle Obelisken sich erbrechen, den ganzen Sommer lang.
Wir passieren den Laden des Töpfers,
ein Edelstein,
neben dem Angrenzenden Urwald der Unterschicht,
wo Pensionierte den letzten Rest Verstand aus ihren ollen Hirnen kratzen,
Bemüht, mit klaren Gedanken Strategie zu erarbeiten.
Wir schlagen nun ein, wenden uns ab,
wie jeden Tag.
Gemischte Gefühle.
Wie oft bin ich hier gelaufen? Mit Scheißlaune. Mit Furcht.
Mit Freude?
Manchmal, wenn es in den Ohren dröhnt,
ich wie ein entarteter Messias über den Bordstein gleite...
Ich gehe die Meile entlang.
Links? Ein Refugium. Belassen wir’s dabei.
Nur noch ein Paar Schritte.
Durch die Tür.
Das Geheul bricht los. Das Gejammer.
Willkommen in unserem eigenen kleinen Hades, Freunde.
Entseelte Kotzbrocken schleimen uns entgegen,
die sich selbst verloren haben,
die sich bereitwillig der Bedeutungslosigkeit hingeben.
Meine Damen und Herren,
die verabscheuungswürdige Generation der Hohlköpfe!
Während wir durch die Gänge treten, kotzen sie ihr nichtssagendes Gegröhl gegen unsere Köpfe.
Speien ihr Gebrabbel aus scharlachroten Mäulern, in denen verfaulte, angegorene Milchzähne wackeln,
erinnern mich an bulimische Säuglinge.
Doch Weiter.
Keine Zeit.
Durch das Tor in die Linoleumhalle in der ich
den Verstand verloren habe,
Habe ich?
Was ist mir der Würde?
Nein, daran würde ich mich erinnern.
Aber, ach, das Schmerzlichste war
Das Herz.
Ein Bild kommt mir in den Kopf,
Ein Schuh, beklebt mit Tips,
LSD-Schuh,
Ich lecke.
Erst die Spitze, dann,
Mit der ganzen Fläche meiner Zunge,
die Flanken, Sohle, Verse.
Nur ein Gedanke.
Die Erinnerung an den Abend bringt mich zum Weinen.
Ich heule, während die Hohlen an mir vorbeiziehen,
heule der Erinnerung nach, heule über die Verlorene Geborgenheit.
Muss gehen.
Hier gibt es keine Heuler, geh bitte!
Durch die Doppeltür,
ein letzter Blick
Auf den Bau in den ich so viel Bemühen und Hoffnung
Fließen lies.
Wieder auf der Straße.
Auf zum Turm.
Die Straßen stinken. Der faulige Geruch der begrenzten Geister.
Die Gassen öffnen sich.
Ah, du mein steinernes Monstrum,
geliebter gotischer Schwanz.
Steht und wartet, steht und wartet, steht und wartet.
Doch warum sollten wir das Monumentale eines Blickes würdigen?
Adios Ständer, wir segeln weiter.
Umschiffen die schicken Mädchen und Jungs,
die Zombies, die unsere Stadt übernommen haben.
Rasen bergab, vorbei an trüben Mauern aus Glas, die
Blau in der Sonne liegen.
Hinab-ab-ab-ab das klapprige Pflaster,
durch den steinernen Bogen.
Bezaubernd.
Ort alkoholisierter Erinnerung.
Jugend?
Zu früh, als dass die Untoten auch hier kreuchen.
Ein Blick auf die braun-schleichende Wasserschlange.
Zeit.
Zeit sich kurz auszuruhen.
Einige Minuten für den Ort,
An dem ich so gerne geschluckt hätte.
Unter dem grauen Himmel.
Heute ist ein Tag für Tränen.
Heima. Heima.
Hinter meiner Tür.
Alleine.
Nackt.
Warum auch nicht?
Vom Bett aus betrachte ich meinen erweiterten Himmel.
Denke an Dinge die Gut waren,
Sind?
Verschwendet.
Draußen heult die vertraute Nacht.
In meinen Ohren: Das Meer.
Der Mund stößt
Einen Wunsch
Aus.