Donnerstag, 11. Juni 2009

Geschichte in der ich unglaublich cool wirke


Letztens kam ich auf einer Party in die Küche und traf dort auf drei Homos, die sich an der Spüle unterhielten. Sie tranken Bier aus Flaschen und auf den ersten Blick empfand ich zwei von ihnen als attraktiv.

Da war einer mit dunklem kurzen Haar, einer mit noch dunklerem Haar- kurz - und einer mit einem vielfarbigen Frisuren-Irgendwas, welches das bizarre Schandmahl darunter, das sein Gesicht darstellte, wie die halbrasierte Möse einer Vierundsechzigjährigen mit fortgeschrittenem Tripper in Szene setzte.

Ich zündete mir eine Kippe an, um abgeklärt zu wirken und lehnte mich in einiger Entfernung zu der Gruppe ans Fensterbrett.

Nach den ersten vier Zügen war mir ziemlich übel, aber ich sah durch das Fenster in den dunklen Garten hinaus und hörte mit einem Ohr den Dreien neben mir zu.

Ich kam mir bescheuert vor. Der Abend war beschissen.

„Miriam ist ziemlich geil!“, sagte der sehr Dunkelhaarige – ich nannte ihn für mich Fabrizio, weil er irgendwie italienisch aussah.

„Ich hab gehört sie hat so einiges drauf! – Mann, ich würd’ ihr gern mal auf die Titten spritzen!“

Die anderen beiden lachten, wobei sie ihre Oberlippen in einem Bogen über die Zähne zurückzogen.

In mir regte sich ein seltsamer Anflug von Entnervung und Erregtheit.

Der etwas weniger dunkelhaarige – Mike, weil er aussah wie in amerikanischer Highschool-Football-Star – nippte an seiner Flasche und sah etwas abwesend auf die Uhr über dem Herd.

„Ich weiß was du meinst, Mann! Muss mich seit zwei Monaten mit meiner linken Hand zufrieden geben... So langsam würd’ ich fast alles ficken!“

Ich drückte die halbgerauchte Kippe an der Wand aus und warf sie in einen Blumentopf, während Fabrizio Mike einen Zierkürbis vom Küchentisch reichte.

„Hier: kannst n Loch reinbohr’n, dann hast was zum reinlunzen, du Stecher!“

Lachen.

Ich stellte mir vor wie Mike mit dem Gemüse zu werke gehen würde, während ich zum Kühlschrank schlappte und mir Gin Tonic mischte.

„Fick dich!“ Mike warf den Kürbis grinsend in die Spüle.

„Wenigstens sieht meine Mutter nicht aus wie das rechte Ohr von Niki Lauda!“

Ich verschluckte mich.

Das Gonorrhoe-Gesicht meldete sich jetzt zum ersten Mal zu Wort und rundete das Gespräch mit dem Satz: „Ihr seid solche Spasten!“ gelungen ab.

Ich lehnte mich zurück ans Fensterbrett, trank und verfolgte weiter das Gespräch, ohne dass die Drei etwas davon bemerkt hätten.

Nach einer Diskussion über ein Fitnessstudio, dass mir nichts sagte und irgendeine Kindergärtnerin, mit der Fabrizio was am laufen hatte, war ich vier Mal zum Kühlschrank und wieder zurück auf mein Fensterbrett gewandert und hörte mir nun sehr interessiert drei Meinungen über die Ideale Tittengrifffestigkeit an.

Mike mochte sie gerne prall und fest, während Fabrizio und die Hackfresse sich einig waren dass sie schön weich und saftig sein mussten damit man sie richtig durchkneten konnte.

„Verstehst? So richtige Euter eben!“

Ich trank den letzten Schluck aus meinem Glas.

Mit ungewohnter Bestimmtheit drückte ich es auf den kalten Marmor und gesellte mich zu der Dreierrunde.

„Entschuldigung...“, sagte ich.

Sie sahen mich an.

„...aber, warum um alles in der Welt brabbelt ihr Schwuchteln euch hier irgendwas von Titten vor?“

Sie starrten mich an.

Ich versuchte zurückzustarren, aber mein Fokus war ziemlich im Eimer.

Sie schienen die Situation nicht ganz zu durchschauen, deswegen hielt ich es für angebracht es ihnen zu verdeutlichen.

Ich wog eine Sekunde meine Möglichkeiten ab, dann ging ich auf Fabrizio zu, griff ihm in den Schritt, fühlte Eier und Schwanz, und küsste ihn fest und lange.

Sein Dreitagebart kratzte meine Oberlippe, was ziemlich geil war.

Ich löste mich, trat einige Schritte zurück und betrachtete mein Werk.

Sie starrten immer noch.

Irritiert zündete ich mir eine weiter Kippe an und wartete auf eine Reaktion.

Sofort begann der Raum sich schneller zu drehen.

„Scheiße!“ rief ich. „Was ist denn mit euch los, verdammt?“

Fabrizio machte einen Schritt nach vorne und schlug mir mit der Faust mitten ins Gesicht.

Die Wucht des Schlages warf mich nach hinten, aber während ich rücklings gegen einen weiß lackierten Holzschrank prallte war ich mir ziemlich sicher, dass meine Nase nicht gebrochen war, was ich als durchaus positiv wertete.

Etwas benommen versuchte ich mich wieder gerade hinzustellen.

Es gelang mir erstaunlich gut.

Er kam auf mich zu.

„Ich küsse nicht beim ersten Date, verstanden?“ Sein zorniger Blick machte ihn umso attraktiver.

In meinem Mund sammelte sich etwas Blut, das aus meiner aufgeplatzten Lippe sickerte.

In dem Moment tat es mir ehrlich leid, dass ich gegen Fabrizios Prinzipien verstoßen hatte und ich fühlte das starke Bedürfnis mich zu entschuldigen.

Im Nachhinein denke ich manchmal, ich hätte ihm vielleicht eine Blume schenken sollen; aber in solchen Momenten fällt einem so was natürlich nie ein. Deswegen blieb ich einfach unbewegt stehen und lächelte die drei etwas dümmlich an.

Sie wendeten sich ab und zwei Minuten später hatten sie mich schon vergessen.

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