Ich wünschte du könntest es sehen.
Wie wir rannten, davonliefen, strauchelten und stolperten.
Der karge Boden riss die Haut unserer blanken Füße auf,
Staub drang in die Wunden und verklumpte zu blutigem Matsch.
Dornen und schmutzige Glasscherben stießen tief in unser Fleisch,
doch wir flohen weiter.
Der brennende Abend machte uns zu Silhouetten.
Wie Figuren in einem chinesischen Schattentheater
tanzten wir den hektischen Tanz der Verfolgten
durch die schwarzen Skelettwälder der Welt.
Schneidet eure Ohren ab, wenn ihr nicht hören wollt!
Was sind sie sonst mehr als Fleischsegel,
die nutzlos im Wind flattern,
der durch eure Köpfe zieht?
Wir zeigten ihnen die Welt
mit einem gramvollen Seufzer.
Stecht eure Augen aus, wenn ihr euch weigert zu sehen!
Was sind sie sonst mehr als Gallertballons
in euren morschen Schädeln?
Wir klagten ihnen von Barbarei
und Bestien in Sakko und Schlips.
Und drückten ihre Gesichter gegen die flimmernden Bildschirme,
die väterlich grinsende Dämonenmäuler in die Welt hinausstrahlten.
Doch sie wanden ihre Köpfe ab
auf ein Haus mit Kind.
Das Entsetzen traf uns unerwartet,
schnallte uns fest auf eine Knochenpritsche
und träufelte uns tröpfchenweise
Enttäuschung in die Gurgeln.
„Seid ihr so erstarrt? Steckt ihr so tief drin?
Könnt ihr das glauben?
Seht ihr nicht, dass ihr euch mehr schuldet?“
Blicke huschten über Seiten voller Information.
Ein-sau-gen.
Das Hirn muss voll sein, muss gut gemästet sein.
Es geht nicht um Erkenntnis,
es geht um Masse und wörtliche Wiedergabe.
So ist’s fein.
Ich wünschte, wünschte du könntest es sehen.
Wir nahmen uns bei der Hand.
Und rauf auf den Hügel.
Lorbeersträucher, Salbei, und Zypressen.
Ginster und Oleander zu unseren Seiten,
Olivenbäume unten im Tal.
Dort oben!
Ein Haus drängt sich in den Weinberg.
Das knorrige Großmütterchen lieh uns eine
Kurzwellenrundfunkstation.
Durch ein modriges, versabbertes Mikrophon
flüsterten wir es in alle Ecken der Welt.
Bis nach Sibirien und Feuerland.
Schon erhob sich ein unschuldiges Pfeifen
über dem Globus.
Beißt eure Lippen ab, wenn ihr euch weigert Wahrheit zu sprechen!
Was sind sie sonst mehr als Blutschläuche,
die wabblig tatternd Gestotter
und Unsinn verbreiten.
Zu Füßen der maritimen Sonne
glitten wir auf Zephyrswogen
in Unbekannte Breiten.
Immer auf der Flucht.
Und immer auf der Fährte.
Rum um die Ecke.
rüber über den Fluss,
runter unter den Stein
und rein,
rein in die weite Stadt.
Hand in Hand kritzelten wir
mit ausgetrockneten Kugelschreibern
Nachrichten auf den Beton
und kratzten kritische Kommentare
in den aalglatten Gehsteig.
Und dann
die Sirenen.
Und Chaos.
Und Wirbel.
Und Versagen.
Und das leuchten der Sonnenstrahlen,
das mir durch die schimmernden Löcher in deiner Brust
entgegenschien.
Schweigen.
Und nun...
Ich wünschte, mehr als alles; mehr als Frieden, mehr als Leben,
Dass du es sehen könntest.
Ein brennendes Feld
Asche auf Asche auf Knochen auf Dreck.
Salzkrusten und Schwefelkrater
Und über allem
ein blauer weiter Himmel
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